Anleitung von Silvia Cherneva, Inspektorin für die Bespielbarkeit öffentlicher Räume

Author Urban Storytelling Journal
Published October 2025

Hallo! Mein Name ist Silvia Cherneva, Inspektorin für die Bespielbarkeit öffentlicher Räume. Ich bin heute hier aufgrund des beispiellosen Interesses an den Aktivitäten unserer Inspektion – und mit dem Ziel, mehr von euch, insbesondere diejenigen, die eine Lizenz erwerben möchten, mit den Details, Praktiken und Regelungen unserer Arbeit vertraut zu machen.

Um ein Gefühl für das Publikum zu bekommen: Sind hier Menschen mit Kindern? Mit Hunden? Einige von euch stehen vielleicht vor ähnlichen Herausforderungen wie wir. Und gibt es andere – ohne Kinder oder Hunde –, die sich daran erinnern, kürzlich einfach nur zum Spaß gespielt zu haben? Mit euch sprechen wir vielleicht später noch. Für alle anderen hoffe ich, dass dieser Vortrag genau das ist, was ihr braucht; am Ende bleibt Zeit für Fragen.

Der Vortrag gliedert sich in mehrere Etappen: Zuerst erzähle ich etwas über mich selbst sowie über die Inspektion und die Vereinigung; dann fassen wir die Merkmale zusammen, die einen Raum bespielbar machen; und schließlich bekommt jede:r die Gelegenheit, an einer praktischen Bewertung des bemerkenswerten Ortes teilzunehmen, an dem wir uns gerade befinden.

Was ist mein Hintergrund? Ich bin Mitglied der Vereinigung unabhängig spielender Bürger:innen im erwerbsfähigen Alter. Unsere Praxis ist niedrigschwellig, jedoch nicht besonders populär und weitgehend anonym. Manchmal wird sie mit Outdoorsport verwechselt, doch anders als dort geht es uns nicht darum, Gewicht zu verlieren, Muskeln aufzubauen oder eine bestimmte Anzahl von Wiederholungen zu absolvieren. Es gibt gewisse Überschneidungen mit den Parkour- und Freerun-Communities, allerdings interessieren uns weder virtuose athletische Leistungen noch das Produzieren von Instagram-Content.

Rosina Pencheva

Was genau tun wir also? Wie bereits erwähnt, ist unsere Praxis nicht funktional – und genau darin liegt ihr Potenzial. Im Kern steht die Frage: Kann ich meinen Körper auf eine ungewohnte Weise einsetzen? Wenn wir ins Erwachsenenalter eintreten, stehen wir meist vor der Herausforderung, ständig nützlichen Tätigkeiten nachzugehen, und unsere Körper geraten in einen Modus, der diesen Funktionen dient. So verwenden wir sie nur auf begrenzte Weise – gehen, sitzen … welche noch? (Frage ans Publikum).

Die Idee der Spielzeit ist es, auszuprobieren, was unsere Körper noch alles können – wozu sie aber nur selten Gelegenheit bekommen. Zum Beispiel: klettern, schaukeln, sich drehen, bis einem schwindlig wird, sich irgendwo verstecken. Das sind Tätigkeiten ohne anderen Zweck, als im gegenwärtigen Moment interessant und unterhaltsam zu sein, uns mit einer anderen Person zu verbinden, die neben uns spielt. Ein weniger offensichtliches Ergebnis ist, dass wir manchmal, indem wir unseren Körper in eine neue Position bringen, auch eine neue Perspektive entdecken – sowohl auf die Welt um uns herum als auch auf unsere innere Welt.

Was macht einen Ort für diese Art des Spielens geeignet? Zunächst muss er sich sicher anfühlen. In meiner Forschung stelle ich fest, dass ich mich sicher fühlen muss, um Risiken eingehen zu können. Zum Beispiel: keine vorbeifahrenden Autos. Außerdem: eine Art Hintergrund oder Schutz. Auch die Form des Raumes spielt eine Rolle. Wenn er bereits eine Funktion hat – etwa als Gehweg – sollte man diese möglichst nicht überlagern, damit wir andere nicht stören und sie uns nicht. Auch sensorische Bedingungen sind wichtig: Wie laut ist es? Wie heiß oder kalt? Zieht es oder ist es luftig? Kurz gesagt: Wie angenehm ist es, sich dort aufzuhalten?

Brauchen wir spezielle Spielgeräte? Diejenigen mit Kindern oder Hunden können vielleicht bestätigen, dass man überall spielen kann. Tatsächlich können wir alle überall spielen, und städtische Räume bieten bereits Möglichkeiten dafür. Ein Teil unserer Aktivität besteht darin, die Vorstellungskraft zu trainieren – vertraute Dinge auf ungewohnte Weise zu sehen, verbunden mit den Möglichkeiten, die sie unserem Körper bieten.

Nun stehen wir an der Schwelle zum praktischen Teil dieses Vortrags. Ihr fragt euch vielleicht: Erfüllt der Ort, an dem wir uns gerade befinden, die Mindestanforderungen?

Wir sehen, dass Vorstellungskraft notwendig ist. Deshalb schlage ich vor, dass wir nun die Bespielbarkeit dieses Dreiecks testen – obwohl es offiziell nur ein Gehweg und ein Parkplatz ist. Ich habe eine Voruntersuchung durchgeführt, und die Punkte auf meiner Bespielbarkeitsskala lagen knapp unter dem Schwellenwert. Deshalb habe ich dieses zusätzliche Objekt mitgebracht. Ihr könnt es als Teil der Landschaft betrachten und in eure Bewertung einbeziehen.

Rosina Pencheva

PRAKTISCHE ÜBUNG

Identifiziert Elemente des Ortes, die dem Körper entsprechen und interessante Bewegungsmöglichkeiten bieten können.

Probiert die Bewegung aus, die ihr euch vorgestellt habt, und beobachtet, wie interessant und/oder angenehm sie sich anfühlt. Das sind subjektive Kategorien, denn „interessant“ kann manchmal auch Unbehagen oder körperliche Herausforderung beinhalten.

Achtet auf eure eigene Sicherheit!

Bewertet auf Grundlage eurer Erfahrung mit jedem Element nach folgender Skala:

  • -3 Punkte: Ich fühle mich nicht sicher
  • -2 Punkte: Etwas in der Umgebung lenkt mich ab oder stört mich
  • -1 Punkt: Es ist unangenehm, länger hier zu bleiben – zu laut / zu heiß / zu kalt / usw.
  • 0 Punkte: Es ist nichts besonders Interessantes passiert
  • 1 Punkt: Ich habe eine erste Bewegung gefunden, aber nichts darüber hinaus
  • 2 Punkte: Ich könnte hier mindestens 10 Minuten verbringen
  • 3 Punkte: Ich könnte den ganzen Tag hier bleiben

 

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