Das gemeinsame Ergebnis
Die vielen Vorstellungen ließen sich nicht leicht verbinden. Doch Schritt für Schritt wuchs daraus ein kleiner Kiosk auf einem Lastenrad: mit selbstgebauten Stühlen, Regalen zum Tauschen und Werkzeug zum Reparieren von Fahrrädern. Sein Dach konnte aufgeklappt werden – einmal ein Tisch zum Essen, dann wieder eine Druckstation oder eine Werkbank für neue Ideen.
So wurde der Kiosk zu einem Ort für Geschichten. Auf seiner Oberfläche schrieben die Jugendlichen Botschaften und Erinnerungen. Im Inneren fanden geheime Texte Platz – Worte, die niemand lesen sollte – und stärkende Nachrichten, die sich an die Menschen richteten, die den Kiosk später in Empfang nahmen.
Am Ende war der Sharing Kiosk weit mehr als ein praktischer Raum. Er wurde zu einem kollektiven Erzählwerkzeug: ein lebendiges Beispiel dafür, wie Storytelling als partizipative Praxis wirken kann – indem es Jugendlichen ermöglicht, ihre Umgebung mitzugestalten, Gemeinschaften zu aktivieren und neue Bilder von „Zuhause“ in einer fremden Stadt zu entwerfen.
Entstanden ist das Projekt in Zusammenarbeit von Koopkultur e.V, mit dem Architekten Thomas Wienands und Tanja Sokolnykova, Kulturvermittlerin, somatische Praktikerin und Aktivistin.
Koopkultur e.V. ist eine Migrant*innenselbstorganisation und ein interdisziplinäres Netzwerk, das künstlerische, bildungsbezogene und soziale Prozesse anstößt. Unsere Arbeit versteht sich als Beitrag zu einem gesellschaftlichen Lernen, das von Alltagserfahrungen, Raumbeziehungen und kollektiven Wissensformen ausgeht. Wir arbeiten mit und im Raum – räumlich als gestaltbare Umgebung und sozial als Ort der Begegnung und Aushandlung. Lernen begreifen wir als etwas, das sich zwischen Menschen, Körpern, Dingen und Geschichten entfaltet.