Analysis: HAO Chunyi von der Xian EURASIA Universität: Neue Lösungen durch Partnerschaften:

Author HAO Chunyi
Published October 2017
Location Xi’an

„Lasst uns etwas dafür tun, damit dieser Ort besser wird.“Das war der Beweggrund vieler Mentoren und Teilnehmer des Sommerkurses für innovatives Designdenken, die im Sommer 2016 nach Wangjiawan gekommen waren, einem kleinen Landkreis der Stadt Foping in der Provinz Shanxi. „Mit Design die Welt verbessern“ ist auch die „DNA“ des „Art und Design Instituts“ an der Xian EURASIA Uni (EAAD), die dieses seit seiner Gründung zu vermitteln versucht.

Nachdem wir diese „DNA“ auch beim S. Lab Consulting & Innovation Labor mit seinem Ansatz des sozialen Unternehmertums und im Leitmotiv der WAN HE Gruppe feststellen konnten, wurde das gemeinsame Sommerkursprojekt für innovatives Designdenken ins Leben gerufen und durchgeführt. Anliegen der WAN HE Gruppe ist es aktuell, Projekte zur ländlichen Entwicklung zu realisieren, und sie benötigt daher Konzepte, mit denen die Wirtschaft in Wangjiawan angekurbelt werden kann. Gleichzeitig studieren am EAAD zahlreiche motivierte junge Leute mit außergewöhnlichen Ideen, für deren Verwirklichung eine Bühne benötigt wird; die in langen Jahren der Beratungsarbeit gesammelten Erfahrungen des S. Lab wiederum machten dieses zu einer idealen Besetzung für die Rolle des Katalysators in dieser Konstellation.

Während des Workshops machten sich die Teilnehmer mit der Makroplanung der WAN HE Gruppe für dieses Gebiet vertraut und führten Interviews mit den Bauern in Wangjiswan. Aus den Ergebnissen der Umfragen und Recherchen entstanden zunächst drei Schlüsselwörter für die Konzeptionsphase: Erzeugnisse/Produkte, Vertrauen und Bildung. Unter der Leitung der Mentoren des S. Lab wurden daraufhin drei Arbeitsgruppen für tiefergehende Recherchen und die Konzeptentwicklung gebildet.

Die erste Arbeitsgruppe widmete sich dem Thema „Erzeugnisse/Produkte“. Alle befragten Bauern hoffen, ihre Lebenssituation zu verbessern und mehr Einkommen zu erwirtschaften, indem sie ihre Höfe für den Tourismus öffnen und Gästezimmer anbieten. In der Gruppendiskussion kam man jedoch zu dem Schluss, dass dieses Geschäftsmodell zu einseitig sei. Um das Verhältnis zwischen Bauern und Planern bzw. Bauherren zu stärken, schlugen die Teilnehmer die Einrichtung eines virtuellen Bauernhofs vor. Innerhalb eines als Online-Spiel konzipierten virtuellen Bauernhofs können Spieler ihren eigenen Bauernhof einrichten, Waren im Netz kaufen und die Betreuung ihres Bauernhofs in Auftrag geben. Zudem können sie regelmäßig den realen Ort besuchen und die landwirtschaftlichen Prozesse des Pflanzens und Erntens live ins Netz übertragen. Auf dieser Basis werden sowohl Tourismuswerbung für die Stadt Foping gemacht, als auch die Interessen vieler Akteure berücksichtigt.

Die zweite Gruppe hatte den Arbeitstitel „Vertrauen“. Dabei ging es um die Lösung der Konflikte zwischen lokalen kulturellen Traditionen und den nach der Öffnung eindringenden fremden Einflüssen. Es wurde vorgeschlagen, dass die Kommune auf langfristige Gäste setzen könnte, indem Kurheime oder Wellness-Zentren für ältere Menschen errichtet würden. Diese würden durch die gute Luft und schöne Natur angezogen, außerdem könnten lokale Nahrungsmittel und Naturmedizin zum Einsatz kommen. Durch ihren längeren Aufenthalt hätten die Gäste Gelegenheit, sich intensiver mit den lokalen Traditionen auseinanderzusetzen und so als Bindeglied zwischen diesen und auswärtigen Einflüssen zu wirken. Darüber hinaus wurde vorgeschlagen, ein erlebnisorientiertes Projekt mit Bezug zur lokalen Tradition zu initiieren, z.B. ein „Festival des Feuerholzhackens“. So ein Festival würde mehr Touristen für einen kurzen Aufenthalt nach Foping locken. Diese Verbindung von Langzeit- und Kurzzeitgästen könnte dazu beitragen, Konflikte zwischen dem Vertrauten und dem Fremden zu lösen.

Mit dem Thema „Bildung“ beschäftigte sich die dritte Gruppe. Die Fragestellung lautete: wie kann man Tourismus für das lokale Bildungssystem nutzen bzw. beide Aspekte integrieren? Das Konzept sieht vor, dass Touristen die Möglichkeit haben, in die lokale Bildungslandschaft einzutauchen, und ihre vielfältigen Hintergründe und kulturellen Erfahrungen ins lokale Bildungswesen einzubringen.

Was passierte nach dem Workshop? Im Jahr 2017 werden einige der Vorschläge von Studierenden in ihren Abschlussarbeiten weiter ausgearbeitet. Eine Wirkung unseres Projektes: Wangjiawan erhielt tatsächlich mehr Investitionen. Außerdem plant das Art und Design Institut der EAAD, die im Projekt gesammelten Erfahrungen vom Land in die Stadt zu übertragen. Dafür braucht es allerdings mehr Unternehmen mit einem Bewusstsein für soziale urbane Verantwortung. Eine Hauptfrage ist also, wie man die passenden Partner für soziale Innovationen in der Immobilienbranche findet.

HAO Chunyi ist stellvertretende Präsidentin des Art und Design Instituts an der Xian EURASIA Uni (EAAD). Sie setzt sich für erstklassige Designausbildung ein, wofür sie u.a. Ausstellungen kuratiert, Organisationsinnovationen durchführt und die Ausbildungsstruktur internationalisiert. Hao war für mehrere PR-Agenturen und Institutionen der kulturellen Innovation tätig, z.B. Global Sources, Zhu Qizhan Museum of Art, Projekt „Global Perspective“, MADA s.p.a.m. und Xian Me Art Center.

© Zhang Shenghui
© Zhang Shenghui
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