Publication: Von gemeinsam planen bis Gemeinschaft leben

Published October 2017

Liebe STADTMACHER und STADTMACHERINNEN,

dass im Zentrum lebenswerter Städte die Qualität von „Gemeinschaften von Menschen und das gemeinsame Wirken diverser Akteure “ steht, ist ein Kerngedanke des STADTMACHER-Programms. Gemeinschaft hat etwas mit Teilnehmen und Teilhaben zu tun. Deshalb wollen wir in diesem STADTMACHER-Blatt einige damit in Zusammenhang stehende Konzepte wie Partizipation 参于, Kooperation 合作, Nachbarschaft 社区 betrachten. Die Fragen, die uns für dieses Blatt angetrieben haben, lauten: Welche Möglichkeiten der Teilhabe haben StadtmacherInnen in China? Wo gibt es spannende Beispiele? Was sind Pionierprojekte in Deutschland, die auf neue kooperative Formen setzen?

Der Journalist Shi Ming gibt uns eine Einschätzung im Kontext der sozialen und politischen Realitäten in China. Sein Plädoyer: Partizipation erfordert nicht nur Teilhabe an der Wahl von vorgegebenen Problemlösungen, sondern vor allem auch Teilhabe an der Artikulation der Fragestellungen. Die Sinologin und Politikwissenschaftlerin Katja Levy gibt einen kurzen Einblick, welche Mittel und Wege der politischen Meinungsbildung und -artikulation in China praktiziert werden.

„Cooperative“ – kurz „Co-“-Working, -Housing, -Living – sind weltweit neue „Buzz-Wörter“: Wir haben zwei Vorreiterprojekte angeschaut: Das „Eckwerk“ in Berlin und das Projekt GENESIS in Beijing, das als Immobilienunternehmen neue Wege sozialer Verantwortung geht. Ebenso wie Benjamin Scheerbarth vom Eckwerk stellt der Architekt LIU Jiakun aus Chengdu in einem weiteren Interview heraus, dass der Erfolg von Innovation im Städtebau in erster Linie von intensiver Überzeugungsarbeit mit den Behörden abhängt. Die Kuratoren von URBANUS machen gleich ein ganzes Dorf im Rahmen der Bi-City Biennale in Shenzhen zum Ausstellungsort und damit zum Raum für Beteiligung.

Ferner stellen wir Ihnen drei partizipative Planungsansätze aus der Design-Praxis vor: ein „Planspiel zur Entwicklung von Schulen“ der Berliner Baupiloten, das jüngst in China getestet wurde, eine Sommer-Akademie für Studierende der Xian Universität EURASIA sowie das „Wohnzimmer“ Projekt des Architekten LIANG Jingyu.

Mit der Pekinger Organisation „Shining Stones“ stellen wir einen klassischen NGO-Ansatz vor, und mit einem Beitrag des Grenzgänger-Stipendiaten der Robert Bosch Stiftung, Fan Popo, zu „Queer Citymaking “ betrachten wir schließlich eine Nische städtischer Gemeinschaft.

Jenseits der unterschiedlichen Voraussetzungen von Partizipation scheint eines klar: Partizipation beginnt mit zwischenmenschlicher Kommunikation auf kleinster Ebene. Dafür muss es physisch-räumliche Voraussetzungen ebenso wie eine gelebte Kultur des Gemeinsamen geben. „Connecting, Creating and Enabling CITYMAKER-Communities  “– das ist die Mission des STADTMACHER China – Deutschland Programms! Und wir sind überzeugt, dass es sich lohnt, jenseits des Mainstreams Beispiele innovativer StadtmacherInnen zu suchen!

Viel Vergnügen beim Lesen und Lernen
wünscht Ihnen das STADTMACHER–Team

Diese Ausgabe des STADTMACHER-Blattes wurde inhaltlich federführend von Silvan Hagenbrock, Katja Hellkötter und GONG Wenye gestaltet.

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